Baunebenkosten: Die komplette Checkliste mit Beispielrechnung

Stand: 24.08.2026

Wer 450.000 € für Haus und Grundstück einplant, braucht am Ende meist 65.000 bis 90.000 € mehr. Der Grund: Baunebenkosten — alle Ausgaben, die neben dem reinen Haus- und Grundstückspreis anfallen. Die Faustformel lautet 15–20 % der Gesamtkosten. Diese Checkliste zeigt dir jeden einzelnen Posten mit realistischen Beträgen, damit deine Finanzierung von Anfang an stimmt.

Was zählt zu den Baunebenkosten?

Baunebenkosten sind alle Kosten rund um Grundstückskauf, Baugenehmigung, Bauphase und Finanzierung, die nicht im Angebot des Hausanbieters stehen. Genau deshalb werden sie unterschätzt: Das Angebot des Hausherstellers wirkt vollständig — ist es aber nie. Die Posten verteilen sich auf vier Phasen.

Phase 1: Der Grundstückskauf

Posten Höhe Bei 150.000 € Grundstück
Grunderwerbsteuer 3,5–6,5 % des Grundstückspreises 5.250–9.750 €
Notar & Grundbuch ca. 2 % ca. 3.000 €
Makler (falls beteiligt) meist 3,57 % Käuferanteil ca. 5.355 €

Die Grunderwerbsteuer ist der größte Einzelposten und hängt vom Bundesland ab (Stand 2026):

Steuersatz Bundesländer
3,5 % Bayern
5,0 % Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen
5,5 % Hamburg, Sachsen
6,0 % Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern
6,5 % Brandenburg, NRW, Saarland, Schleswig-Holstein

Wichtig: Kaufst du Grundstück und Haus getrennt (erst Grundstück, später Bauvertrag mit einer nicht verbundenen Firma), zahlst du die Steuer nur auf das Grundstück. Treten Grundstücksverkäufer und Hausanbieter gemeinsam auf („einheitliches Vertragswerk”), kassiert das Finanzamt auf den Gesamtpreis — bei 450.000 € in NRW sind das 19.500 € statt 9.750 €.

Phase 2: Vor dem Baustart

Posten Realistischer Betrag
Bodengutachten 500–2.500 €
Vermessung (Lageplan, Absteckung, Einmessung) 2.000–3.500 €
Baugenehmigung ca. 0,5 % der Baukosten, 800–2.000 €
Baumfällung / Abriss Altbestand 0–15.000 € (falls nötig)

Das Bodengutachten ist der Posten, den Sparfüchse am häufigsten streichen — und der teuerste Fehler auf dieser Liste. Ohne Gutachten kalkuliert kein Anbieter die Gründung verbindlich; ein unerwartet schlechter Baugrund kostet später fünfstellig.

Phase 3: Während des Baus

Posten Realistischer Betrag
Hausanschlüsse (Strom, Wasser, Abwasser, Glasfaser) 8.000–15.000 €
Erschließung (falls Grundstück unerschlossen) 10.000–30.000 € extra
Baustrom und Bauwasser 500–1.500 €
Bauherrenhaftpflicht 50–150 €
Bauleistungsversicherung 200–500 €
Feuerrohbauversicherung oft kostenlos in der Wohngebäudeversicherung
Unabhängige Baubegleitung (optional, empfohlen) 2.000–5.000 €

Achte beim Grundstück auf das Wort „erschlossen”: Liegt es nicht an Straße, Kanal und Versorgungsleitungen, kommen die Erschließungskosten obendrauf — einer der häufigsten Gründe, warum vermeintliche Schnäppchen-Grundstücke keine sind.

Phase 4: Die Finanzierung

Posten Höhe
Grundschuldbestellung (Notar + Grundbuch) ca. 0,5 % der Darlehenssumme
Bereitstellungszinsen oft 0,25 % pro Monat nach zinsfreier Zeit

Bereitstellungszinsen fallen an, wenn die Bank dein Darlehen schon bereithält, du es aber noch nicht abgerufen hast — beim Neubau mit 12–18 Monaten Bauzeit schnell 2.000–5.000 €. Verhandle bei Vertragsabschluss eine möglichst lange bereitstellungszinsfreie Zeit (12 Monate und mehr sind möglich).

Beispielrechnung: 450.000 € in NRW

Grundstück 150.000 € (erschlossen, mit Makler), Haus schlüsselfertig 300.000 €, Darlehen 350.000 €:

Posten Betrag
Grunderwerbsteuer (6,5 % auf Grundstück) 9.750 €
Notar & Grundbuch 3.000 €
Makler (3,57 %) 5.355 €
Bodengutachten 1.000 €
Vermessung 2.500 €
Baugenehmigung 1.500 €
Hausanschlüsse 10.000 €
Baustrom / Bauwasser 1.000 €
Versicherungen 600 €
Grundschuldbestellung 1.750 €
Bereitstellungszinsen (geschätzt) 3.000 €
Pflicht-Nebenkosten ca. 39.500 € (≈ 9 %)
+ Außenanlagen (Einfahrt, Terrasse, Garten) 15.000–30.000 €
+ Baubegleitung, Umzug, Küche 10.000–20.000 €
Realistisches Zusatzbudget 65.000–90.000 € (15–20 %)

Die ehrliche Zahl: Die unvermeidbaren Nebenkosten liegen bei rund 9 %. Auf 15–20 % kommst du, weil Außenanlagen, Küche und Umzug in keinem Hausangebot stecken, aber trotzdem bezahlt werden müssen. Plane sie von Anfang an in die Finanzierung ein — nachfinanzieren ist immer teurer als gleich richtig kalkulieren.

Wo du sparen kannst — und wo nicht

Sparen kannst du hier:

Hier sparst du am falschen Ende:

Häufige Fragen

Kann ich Baunebenkosten mitfinanzieren? Ja, aber die Bank bewertet nur Grundstück und Gebäude als Sicherheit. Nebenkosten gelten als „weiche Kosten” und verschlechtern den Beleihungsauslauf — sprich: deinen Zinssatz. Ideal ist, wenn dein Eigenkapital mindestens die Nebenkosten deckt.

Sind Baunebenkosten steuerlich absetzbar? Beim selbstgenutzten Eigenheim grundsätzlich nicht. Ausnahme: Handwerkerleistungen nach dem Einzug (z. B. Außenanlagen) über die Steuerermäßigung nach § 35a EStG.

Wie unterscheiden sich die Nebenkosten beim Hauskauf? Beim Kauf einer Bestandsimmobilie fallen Grunderwerbsteuer, Notar und Makler auf den Gesamtpreis an — dafür entfallen Baugenehmigung, Hausanschlüsse und Baustellenkosten. Prozentual liegen Kauf-Nebenkosten bei 9–12 %.


Nächster Schritt: Rechne deine Gesamtkosten inklusive Nebenkosten durch, bevor du ein Grundstück reservierst — und hol dir erst danach Finanzierungsangebote. Den kompletten Ablauf vom Grundstück bis zur Schlüsselübergabe findest du im Hausbau-Fahrplan.

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